Bio-Baumwolle: Wie sie angebaut wird und warum du sie bevorzugen solltest.

Naturfasern gelten grundsätzlich im Vergleich zu synthetischen Fasern als nachhaltiger. Immerhin wachsen sie ja direkt aus unserer Erde und müssen nicht erst von Menschenhand hergestellt werden. Doch leider ist es nicht ganz so einfach und auch Naturfasern wie Baumwolle haben keine ganz weiße Weste. Deshalb ist es umso wichtiger, auf zertifizierte Bio-Baumwolle zu setzen, die die Umwelt entlastet, Menschenleben verbessert und viele weitere Vorteile mit sich bringt. Schauen wir uns das doch mal genauer an.

Inhaltsverzeichnis:
1. Warum bio gerade bei Baumwolle so wichtig ist.
2. Fünf Vorteile von Bio-Baumwolle.
3. So findest du Kleidung aus Bio-Baumwolle.

 

1. Warum bio gerade bei Baumwolle so wichtig ist.

Textilien gibt es viele aus den unterschiedlichsten Materialien. Doch hast du gewusst, dass laut dem WWF etwa in der Hälfte aller Textilien Baumwolle enthalten ist? Die meisten deiner T-Shirts, Socken und Co. haben also höchstwahrscheinlich zumindest einen Baumwoll-Anteil. Deshalb ist es gerade hier wichtig, die Produktion unter die Lupe zu nehmen, denn wie du sicher weißt, ist die herkömmliche Textilindustrie alles andere als nachhaltig und trägt maßgeblich zum Klimawandel bei.

Bei Baumwolle ist das Potenzial also groß, die Textilbranche insgesamt grüner zu gestalten. Und nicht nur für die Umwelt ist das von Vorteil – es gibt auch soziale Gründe, die für Bio-Baumwolle sprechen. 

 

2. Fünf Vorteile von Bio-Baumwolle.

Baumwolle ohne Genmanipulation.

Ganz Natur – oder eben doch nicht? Herkömmliche Baumwolle kommt häufig von genmanipulierten Pflanzen. Laut dem Umweltinstitut sind es ganze 70 %. Diese Pflanzen sind zwar resistenter gegen Schädlinge und äußere Einflüsse, bringen jedoch auch einige gewaltige Nachteile mit sich. Etwa der Verlust der genetischen Vielfalt sowie die Abhängigkeit von Pestiziden, ohne die die genetisch veränderte Baumwolle nicht wachsen kann.

Bei der Gewinnung von Bio-Baumwolle ist Genmanipulation verboten. Das bedeutet auch, dass die Pflanzen natürlich Samen produzieren und diese nicht teuer neu gekauft werden müssen. Denn das Saatgut wird von der Industrie gentechnisch so verändert, dass aus den entsprechenden Pflanzen keine keimfähigen Samen entstehen. Das zwingt die Bauern, immer wieder das etwas viermal teurere Saatgut zu kaufen. Das Problem bei einer Umstellung auf bio ist allerdings, dass es gar nicht so einfach ist, an Bio-Saatgut zu kommen.

Keine Einsatz chemischer Pestizide.

Beim herkömmlichen Baumwoll-Anbau wird extrem viel mit Pflanzenschutzmitteln gearbeitet. Laut dem Umweltinstitut wird eine durchschnittliche Baumwollpflanze ganze 20 Mal mit chemischen Mitteln behandelt. Pestizide werden vor allem beim Anbau in Monokulturen genutzt, da diese Art des Anbaus besonders viele Schädlinge mit sich bringt. Eine große Menge an Pestiziden sorgt für schlechtere Böden, die wiederum mit chemischem Dünger behandelt werden.

Zudem führen die vielen chemischen Mittel zu einer Gefährdung der Biodiversität und es können sogar Rückständen in Kleidungsstücken aus Baumwolle gefunden werden. Bio-Baumwolle ist im Gegensatz zur herkömmlichen Baumwolle frei von chemischen Pestiziden, denn die sind beim Anbau verboten. So werden allein fast 50 % der Treibhausgabe im Vergleich zur herkömmlichen Produktion gespart. Gleichzeitig nehmen Böden, die frei von Düngemitteln und Pestiziden sind, auch mehr CO2 auf und reinigen so die Luft. Laut dem Umweltinstitut schützt du mit dem Kauf nur eines T-Shirts aus Bio-Baumwolle rund sieben Quadratmeter Anbaufläche vor chemischen Pestiziden und Kunstdünger.

Du fragst dich, was Bauern beim Anbau von Bio-Baumwolle für Alternativen nutzen, um Schädlinge zu bekämpfen und zu düngen? Zum einen bleiben die Böden durch eine Fruchtfolge (unterschiedliche Pflanzen werden hintereinander angebaut) gesund und auch die Schädlinge werden dadurch gering gehalten. Zum anderen werden bewusst andere Pflanzen wie etwa Sonnenblumen neben die Baumwolle gesetzt, die noch ein bisschen verlockender für potenzielle Schädlinge wie den Baumwollkapselkäfer sind. Nicht zuletzt gibt es auch mehr natürliche Feinde für Schädlinge, da diese nicht ebenfalls durch chemische Pestizide getötet werden. Statt chemischem Dünger wird mit Mist und Kompost gedüngt, was den Humusanteil des Bodens erhöht. So kann er mehr Wasser und CO2 aufnehmen und bleibt alles in allem gesünder.

Wichtig ist aber auch, welche Chemikalien nach dem Anbau genutzt werden – etwa zum Färben oder Veredeln. Hier wird bei Bio-Baumwolle je nach Siegel ebenfalls darauf geachtet, dass keine giftigen Stoffe in der Herstellung der Kleidung genutzt werden. Mehr dazu liest du weiter unten beim Thema „Siegel“.

Deutlich geringerer Wasserverbrauch.

Laut dem WWF sind 2.700 Liter Wasser notwendig, um genug Bauwolle für ein T-Shirt zu produzieren. Bei Bio-Baumwolle sind es laut der Soil Association lediglich 243 Liter.

Aber wie kann es sein, dass Bio-Baumwolle so viel weniger Wasser in der Herstellung benötigt? Das liegt einerseits an der Tatsache, dass Bio-Baumwolle meist von kleinen Betrieben stammt, die durch aufgefangenes Regenwasser statt im Boden gespeichertes Wasser versorgt werden. Hinzu kommt, dass auch der Verzicht auf chemische Pestizide Wasser spart. Die Böden können beim Bio-Anbau normalerweise aufgrund der Fruchtfolge mehr Wasser speichern und sind insgesamt gesünder. Das spart zusätzliche Bewässerung.

Noch ein Bonus: Bio-Baumwolle trägt außerdem deutlich weniger zur Wasserverschmutzung bei. Da chemische Stoffe gar nicht erst eingesetzt werden, können sie ja auch nicht im Wasser landen. Laut einem Bericht des Water Footprint reduziert Bio-Baumwolle die Wasserverschmutzung um 98 % im Vergleich zu herkömmlicher Baumwolle.


Faire Löhne und Arbeitsbedingungen.

Baumwolle wird unter anderem in Indien, Pakistan, Brasilien und in Westafrika produziert. Sie ist enorm wichtig für die Wirtschaft in Schwellen- und Entwicklungsländern. Abhängig davon, ob die Nachfrage hier bei uns nach billiger oder nachhaltiger Baumwolle steigt, wird sie entsprechend produziert. Dabei haben wir bei unserer Kaufentscheidung einen direkten Einfluss auf das Leben vieler Menschen, die von der Baumwollindustrie abhängig sind.

Am besten solltest du dich für Bio-Baumwolle entscheiden, die fair gehandelt wurde und bei der Bauern und Arbeiter nicht ausgebeutet werden.

Ernte von Bio-Baumwolle auf einem Feld mit Traktor.


Unterstützung von Kleinbauern.

Ein ziemlich toller Nebeneffekt von Bio-Baumwolle ist, dass sie zu etwa 75 % von Kleinbetrieben stammt. Das bedeutet, dass die Menschen, die am Anbau beteiligt sind, mit weniger giftigen Chemikalien in Berührung kommen und meistens auch bessere Löhne erhalten (mehr dazu findest du weiter unten beim Thema „Siegel“). Das ist für Kleinbauern besonders wichtig, da sie nicht immer genug verdienen, um normal leben und ihre Familien ernähren zu können. Aktuell liegt der Bio-Anteil bei Baumwolle nur bei etwa 1 %. Sollte die Nachfrage stark steigen, ist das natürlich toll, gleichzeitig wäre dann aber nicht mehr sicher, dass Kleinbauern allein sie decken können. Doch das ist momentan noch eine sehr theoretische Fragestellung.


Warum Bio-Baumwolle die bessere Wahl ist.

Jetzt aber nochmal zum Mitschreiben: Beim Anbau von Bio-Baumwolle wird auf Genmanipulation verzichtet, Wasser gespart, die Böden und die Artenvielfalt geschützt und die Arbeitsbedingungen der Menschen verbessert. Indem du also beim Kauf von Socken, Unterwäsche, Hosen und T-Shirts auf Bio-Baumwolle achtest, tust du der Erde, anderen Menschen und nicht zuletzt auch dir selbst einen Gefallen.


3. So findest du Kleidung aus Bio-Baumwolle.

Du hast Lust bekommen, selbst Kleidung aus Bio-Baumwolle auszuprobieren? Dann haben wir ein paar Tipps für dich, wie und wo du sie finden kannst.


Siegel für Bio-Baumwolle.

Der Begriff „bio“ ist geschützt und garantiert, dass die Richtlinien des ökologischen Landbaus beim Anbau eingehalten werden. Dies wird jährlich von unabhängiger Stelle zertifiziert. Auch Produkte, die mit „kbA“ gekennzeichnet sind, stammen aus „kontrolliert biologischem Anbau“.

Doch es gibt natürlich auch einige weitere Siegel, die dabei helfen können, zu verstehen, woher ein Kleidungsstück kommt und unter welchen Bedingungen es produziert wurde. Und vor allem auch, wie es weiterverarbeitet wurde, denn das ist beim biologischen Anbau nicht zwingend inkludiert.

Ein anerkannter internationaler Standard für Textilien ist beispielsweise der „Global Organic Textile Standard“ (GOTS). Er zertifiziert Kleidung aus Naturfasern entlang ihrer gesamten Lieferkette und geht über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus. Neben dem Anbau gibt es auch bestimmte soziale Standards und Regelungen bezüglich erlaubter Farben und Hilfsmittel. Der GOTS garantiert auch, dass am Ende keine kritischen Chemikalien in T-Shirts, Hoodies und Co. zu finden sind.


Siegel für fairen Handel.

Zwar zertifiziert auch der GOTS bestimmte soziale Standards, doch wer ganz sichergehen will, dass für die Bio-Baumwolle faire Löhne gezahlt wurden, kann auf das „Fairtrade“-Siegel setzen. Im Bezug auf Baumwolle sind vor allem das „Fairtrade Cotton“ und das „Fairtrade Textile Production“ Siegel von Bedeutung.

Spannend ist auch, ob eine Marke Mitglied bei der Fair Wear Foundation ist. Denn diese niederländische Stiftung setzt sich für faire Arbeitsbedingungen in der Textilbranche ein. Dazu gehören etwa eine angemessene Bezahlung und ein Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit.


Vegane Männerkleidung aus Bio-Baumwolle.

Viel kannst du auch beitragen, indem du Marken unterstützt, die bereits komplett auf Bio-Baumwolle umgestiegen sind. Die meinen es wirklich ernst und wollen sich nicht nur – wie einige große Namen es tun – mit einer nachhaltigen Kampagne „grünwaschen“.

In unserem Onlineshop green.in.pieces findest du alles von T-Shirts über Hoodies, Socken, Hosen, Unterwäsche bis hin zu Jacken. Alle Kleidungsstücke stammen von veganen Marken und werden aus Bio-Baumwolle hergestellt. Wir wollen nämlich nicht nur unserem Planeten etwas Gutes tun, sondern auch die Textilindustrie insgesamt grüner machen. Schau doch mal vorbei!